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Das Interview mit Ron Vossler zu dem Film:

"The Germans From Russia: Children of the Steppe, Children of the Prairie" Prairie Public Broadcasting, Inc. und North Dakota State University Libraries, Fargo, North Dakota USA, Copyright 1999

Websites: http://www.prairiepublic.org & http://library.ndsu.edu/gerrus

English

Dieser Film erzählt die Geschichte einer ethnischen Gruppe, die unverwechselbar blieb und die Zeiten überdauerte. Der Autor des Skripts, Ron Vossler, ist selbst ein Angehöriger dieser Gruppe. Er wuchs in Wishek, Nord Dakota, auf und war in verschiedenen Berufen tätig, unter anderem als Landarbeiter, Lehrer an einer High-School, freier Journalist und Assistent Director of Composition. Gegenwärtig ist er Dozent am englischen Department der Universität von Nord Dakota. Ihm wurde als erstem vom North Dakota Council die Mitgliedschaft der Arts John Hovey Creative Writing Fellowship zuerkannt. Er veröffentlichte unter anderem Frieda, the Trowel Queen and the Lost Jehus (Jesus?) of Gnadenthal County, eine Kurzgeschichte, und Growing Up Black Sea German in Wishek, North Dakota. Beide Publikationen wurden in Forkroads, einer Zeitschrift für ethnische amerikanische Literatur, veröffentlicht.

Auszüge aus dem Interview mit Ron Vossler über den Film:

F: Was ist Ihrem Gefühl nach das Thema dieses Film?

A: Das durchgehende Thema ist, glaube ich, die Vielfalt, sowohl der Geschichte, als auch des Charakters der ethnischen Gruppe der Russlanddeutschen. Es zeigte sich bei den Vorbereitungen und bei der Aufzeichnung des Skripts, dass es keine einfache Antwort auf die Frage gibt, wer diese Leute seien. Es schien, als gäbe es allzu viel dazu zu sagen.

Die einfachste Methode, diese Komplexität -- oder, wenn Sie so wollen, das Thema -- darzulegen, war, eine Reihe von Widersprüchen paarweise zusammenzustellen. Und so beginnt nun der Dokumentarfilm: ein Volk mit einem Sinn für das Praktische auf der Suche nach dem Ewigen; ein heimatverbundenes Volk, das sich auf Wanderschaft machte; fortschrittlich und doch traditionell; ein Volk, das vergessen wollte und sich stets aufs neue erinnerte.

F: Wie hat sich Ihre deutsch-russische Herkunft auf die Arbeit an dem Dokumentarfilm ausgewirkt?

A: Meine Herkunft, die Kindheit in Wishek, ND, im Herzen des russlanddeutschen Gebiets, hat mir bei der Arbeit an dem Skript beträchtlich geholfen. Ich kannte die Geschichte von innen her; als Kind hörte ich, wie meine Großeltern deutsch sprachen usw. Ich wusste oder fühlte, dass ich wusste, was die typischen deutsch-russischen Haltungen, Laute und Gepflogenheiten waren. Ich hatte einige der Geschichten, die in dem Film eingefügt sind, schon gehört und kannte sie. Bei meinen Großeltern und Eltern erlebte ich unmittelbar ihr starkes Bedürfnis, die eigene Geschichte zu vergessen und zugleich an dem geprägten Weltbild festzuhalten.

Aber diese innere Vertrautheit mit dem deutsch-russischen Leben ergab auch ein großes Problem für mich. Ich fühlte, dass es ungehörig, um nicht zu sagen, anstößig sei, bei den Interviews nach sehr persönlichen Dingen zu fragen. Das alte Schweigen über die Vergangenheit steckte noch in mir oder war zum mindesten ein Hindernis, wenn ich versuchte, mir Fragen zu überlegen und die Leute zum Reden zu bringen. Ich fühlte mich als Eindringling, und das verstieß gegen alles, was man mir beigebracht hatte, nämlich den Kopf zu senken, nicht viel preiszugeben und die Vergangenheit und die Toten ruhen zu lassen.

Meine Herkunft machte es auch manchmal sehr schwer für mich, bestimmte Aspekte des Films zu untersuchen und darüber zu lesen. So viel davon besass eine ganz persönliche Komponente. Schließlich war es die Geschichte meiner direkten Vorfahren, meiner Großeltern und Urgroßeltern, die ich erzählte. Ich fühlte mich dazu genötigt, sie so richtig, genau und ehrlich wie möglich wiederzugeben.

Als ich Briefe über die Hungersnot (in Russland) las, und sie zu übersetzen begann -- die meisten in dem Dokumentarfilm waren an meine Verwandten im Amerika gerichtet, an meine Urgroßmutter oder meinen Großonkel oder an die Schwester meines Großvaters -- war ich tief bewegt, ja, erschüttert. Es fiel mir schwer, mich zurückzunehmen und objektiv zu bleiben und eine Sprache zu gebrauchen, die klar und nicht zu emotionell aufgeladen war, als ich Dinge niederschrieb wie: "An ihrem Höhepunkt im Frühling 1933 starb alle 3 Sekunden ein Mensch..."

F: Was werden Ihrer Ansicht nach die Leute aus dem Film mitnehmen?

A: Ich denke, sie werden allmählich beginnen, das vielschichtige Drama dieser ethnischem Historie zu verstehen. Ich denke, dass sie auch merken, wie die Russlanddeutschen von zwei Grenzregionen, die sie zähmten, geprägt wurden, und wie diese Grenzregionen in den Nachkommen dieser ethnischen Gruppe weiterleben.

F: Was hat die Arbeit an dem Film für Sie gebracht?

A: Durch die ganzen Nachforschungen, das Schreiben und die Reisen, die mit der Herstellung des Films verbunden waren, entstand bei mir das Gefühl, dass ich endlich nach Hause kam, dass ich meiner eigenen Herkunft gegenüber und denen, die mir vorausgingen, Treue gezeigt hatte, dass ich auf meine bescheidene Weise etwas von den Leiden "unsera Leute", den Russlanddeutschen, neu dargestellt hatte, in einer genauen, und wie ich hoffe, zuweilen poetischen Rechenschaft über eine Minderheit, die lange Zeit von der Öffentlichkeit nicht zur Kenntnis genommen wurde.

Ich hatte das Gefühl, dass ich einer Geschichte Stimme verlieh, die erzählt werden musste, und die schließlich auch viele Menschen erzählt haben wollten, wie die neunzigjährige Kusine meiner Mutter, die, als wir kamen, um sie bei der Strudelzubereitung zu filmen, mein Gesicht in die Hände nahm und sagte: "Oh, Ronnie, bitte mach, dass wir Deutschen hier auf der Prairie nicht vergessen werden."

Übersetzung: Alice Morgenstern, Munich, Germany

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