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Presseinformation Juni 1996

Ein neues Buch stellt Rußlanddeutsche in Nord Dakota vor Das Familienalbum über deutsche Amerikaner (German American Family Album) berichtet über die Einwanderer

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Nachkommen deutscher Emigranten bilden die größte ethnische Gruppe der heutigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Das German American Family Album stellt lebendig dar, wie deutsche Einwanderer von Texas bis nach Nord Dakota ihre Farmen und Gemeinden aufbauten. Als Bauern, Arbeiter und Handwerker kamen sie ins Land.

Das Buch gibt auch die Erinnerungen berühmter Deutschamerikaner wieder, wie z.B. Dwight D. Eisenhower, Babe Ruth, Herbert Hoover, Lawrence Welk, Kurt Vonnegut und General H. Norman Schwarzkopf.

Die mit Preisen ausgezeichneten Autoren Dorothy und Thomas Hoobler, die dieses Buch 127 Seitige mit vielen Bildern veröffentlichten, haben schon mehr als 60 Bücher herausgegeben und ehrenvolle Anerkennung seitens der Library of Congress und der New York Public Library gefunden. Dorothy Hoobler schreibt dazu: "Wir hatten beide den Eindruck, daß die Texte und Bilder der Rußlanddeutschen zu den besten im Buch gehören. Ich wußte nur wenig über die Rolle, die Rußlanddeutsche für den amerikanischen Schmelztiegel gespielt haben. Aber ich fand die Leistungen und Leiden dieser deutschrussischen Pioniere besonders bewegend."

Das Family Album macht es für uns möglich, daß wir uns mit den Augen der Einwanderer im Land umsehen. Die Gruppe der Rußlanddeutschen ist hier vertreten durch Erinnerungen an die Besiedlung und das Leben auf den Prärien von Dakota mit den Beiträgen von Pauline Neher Diede, Fred Martin, Sally Roesch, Schwester Reinhardt Hecker und Sophia Kallenberger Beck.

So erzählt Schwester Reinhardt Hecker vom Verkündigungskloster in Bismarck im Gespräch mit Michael M. Miller, dem Bibliographen der Rußlanddeutschen an den Bibliotheken der NDSU (= der North Dakota State University) in Fargo, Einzelheiten über die Weihnachtsfeiern ihrer Kindheit in Rußland. Sie kam im Alter von 13 Jahren nach Nord Dakota, und sie erzählt, wie sie 1914 in Amerika in Ellis Island ankam. "Bevor wir zur Bahn gingen, gab man uns allen ein großes Paket mit Bananen, Äpfeln und belegten Broten. Jedes Kind bekam eines, ich weiß nicht, aus welchem Grund, aber die Hauptsache war: Wie soll man denn diese Bananen essen? Das mußten wir erst lernen, denn in Rußland hatten wir nie welche gesehen."

Fred Martin, der im Jahr 1909 mit Frau und Kindern aus Südrußland in die Vereinigten Staaten kam und in Emmons County, North Dakota, lebte, beschrieb die Zugfahrt von Odessa zum Hamburger Hafen in Deutschland folgendermaßen: "Der Zug war überfüllt - so schlimm wie ein Transport von Schlachtschweinen. Die Kinder setzte man auf die Säcke und Bündel so eng nebeneinander, daß neben ihnen kein Zentimeter Raum freiblieb. Hin und wieder warf man ihnen ein Stück Brot mit Speck zu, das sie mit den Händen aßen."

Sophia Kallenberger Beck kam 1877 im Schwarzmeerdorf Neuburg zur Welt und wanderte mit ihrer Familie nach Dakota aus, als sie neun Jahre alt war. Das erste Jahr in Amerika verbrachte die Familie in der Nähe von Eureka, South Dakota, wo der Vater Land erhielt. 1939 erzählte sie in einem Interview über die Reise von New York nach Dakota. "Unsere Reise ging nach Scotland in Dakota, aber in Marion Junction blieb der Zug drei Tage lang stehen, weil meine Mutter und andere krank waren und die Behörden eine Epidemie befürchteten. Während dieses Aufenthalts mußte mein Vater in der Stadt um Lebensmittel für seine Familie betteln, weil die unerwarteten Verzögerungen alle seine Vorräte aufgezehrt hatten. Erst sechs Tage, nachdem wir New York verlassen hatten, erreichten wir Scotland und das Haus meiner Schwester Catherina Wagner. Als wir ankamen, hatte Vater nur noch 25 Cents in der Tasche."

Sophia Kallenberger Beck beschreibt auch das erste Jahr auf den Prärien von Dakota. "Bauholz mußte aus der Gegend des Missouri herangeschafft werden für die Dachbalken der Behausung. Darüber wurden kleinere Äste gelegt, mit Stroh bedeckt, und als oberste Schicht wurden Rasenstücke gelegt. Das Ganze ergab einen Raum von 16 Fuß Länge und 22 Fuß Breite. Wir Kinder saßen oder lagen auf dem Boden. Wir hatten einen Kessel, ein paar Teller und Tassen, die wir aus Rußland mitgebracht hatten, und ein paar Löffel. Wir mußten alle zusammen auf dem Boden auf Stroh schlafen. Erst als es Frühling wurde, machte der Vater für uns Kinder ein Bett."

Der Rußlanddeutsche Anton Senger siedelte sich in Emmons County, North Dakota, im Jahr 1886 an. In den 30er Jahren berichtete er seine Erinnerungen an den Beginn seines Lebens auf der Prärie. "Ich werde die erste Nacht auf der Prärie nie vergessen. Je weiter wir in das Land kamen, desto höher wurden die Hügel, und als die Nacht kam, waren wir mitten im Hügelland. Wir pferchten unsere Ochsen ein und rollten uns in Decken, um zu schlafen. Es gab unzählige Moskitos. Und in kurzen Abständen heulte ein Coyote auf einer und bellte ein Fuchs von der anderen Seite, und um die Sache noch schlimmer für mich zu machen, stieß dazwischen auch noch eine Nachteule einen Schrei aus.... Im Winter dieses Jahres mußten wir drei Tage in unserer Grassodenbehausung zubringen, während einer der schlimmsten Blizzards über das Land raste. Wir versuchten mit Heu zu heizen, aber das ging schnell zu Ende. Aber der Schneesturm war so heftig, daß wir die Unterkunft nicht verlassen konnten, sondern drinnen sitzen bleiben und schauen mußten, daß wir nicht erfroren."

Michael Miller (vgl.S.1), erzählt über seine Reise nach Odessa in der Ukraine, der Heimat seiner Vorfahren, die er 1994 unternahm. Und er beschreibt, wie er in Amerika Verwandte von Paul Krueger, der ihm aus Sibirien geschrieben hatte, ausfindig machen konnte. "Wir fanden heraus, daß Pauls Onkel Kongreßabgeordneter für Nord Dakota in den 50er Jahren gewesen war. Als dieser Otto Krueger 1910 in die Vereinigten Staaten auswanderte, blieb ein dreizehnjäriger Bruder Bernhardt zurück. Dieser Bernhardt wurde während des Zweiten Weltkriegs in ein Arbeitslager in Zentralasien gebracht und war noch dort, als sein Bruder im Kongreß der Vereinigten Staaten saß. Erst von kurzem haben die Nachkommen beider Familien erfahren, was mit den Verwandten geschah."

Für die Bestellung des Germans American Family Album kann die Bezahlung mit Scheck oder Geld an die Germans from Russia Heritage Collection, NDSU Libraries, P.O. Box 5599, Fargo, North Dakota 58105-5599 USA erfolgen. Die gebundene Ausgabe kostet $30 U.S. zuzüglich $15 U.S. für die Zusendung.

Für weitere Informationen über die Germans from Russia Heritage Collection und die "Journey to the Homeland Tours" ist Prof. Michael M. Miller zuständig, Germans from Russia Bibliographer, NDSU Libraries, P.O. Box 5599, Fargo, North Dakota 58105-5599 USA (Tel: 701-231-8416; Fax: 701-231-7138; E-mail: Michael.Miller@ndsu.edu).

Übersetzung: Alice Morgenstern, Munich, Germany

Prof. Michael M. Miller
Germans from Russia Bibliographer (Bibliograph der rußlanddeutschen kulturelle Sammlung)
P.O. Box 5599 (Postfach 5599)
North Dakota State University Libraries (Bibliothek)
Fargo, North Dakota 58105-5599 USA
Tel: 701-231-8416
Fax: 701-231-7138
Internet: Michael.Miller@ndsu.edu

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