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Die ersten russischen Familien wanderten 1873 in die Dakotas aus.

Sorgenfrei
Michael Miller: RuBlanddeutsche in Amerika vor groBer Zukunft

Carefree
Michael Miller: Germans from Russia in America Face a Great Future

"Carefree." Amerika Woche, 17 November 2001, 14.

Telephone Interview with Michael M. Miller, Fargo, North Dakota

English


Michael M. Miller

Fargo, ND - Fotograf, Filmproduzent und Wissenschaftler: Michael M. Miller ist ein Mann mit vielen Talenten und einer interessanten Geschichte. Millers Vorfahren wanderten in den 1880er Jahren aus Russland nach Nord Dakota aus. Heute setzt der fließend Englisch und Deutsch sprechende Miller alle seine Talente für die Bewahrung der Geschichte ein, die zugleich seine Identität ausmacht: die Geschichte der Russlanddeutschen. Miller ist seit 1967 Bibliograph der russlanddeutschen kulturellen Sammlung (GRHC) der North Dakota State University in Fargo, North Dakota, und Mitglied in den wichtigsten russlanddeutschen Organisationen. Wie es um die geschätzten drei Millionen Russlandeutschen in Amerika bestellt ist, verriet Miller der AMERIKA WOCHE in einem exklusiven Interview.

AW: Welches Land ist Ihre Heimat? Die Vereinigten Staaten, Deutschland - oder gar Russland?

Miller: Ich bin Amerikaner. Trotzdem bin ich stolz auf mein russlanddeutsches Erbe. Aber ich fühle, denke und lebe wie ein Amerikaner.

AW: War das schon immer so?

Miller: Es gab eine Zeit, als die Russlanddeutschen sich noch nicht so öffentlich zu ihrer Herkunft bekannt haben. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Bandleader Lawrence Welk. Er kommt wie ich aus Strasburg in Nord Dakota. Seine Lawrence-Welk-Show begeisterte 27 Jahre lang Nordamerikas Fernsehzuschauer. Was wenige wussten: Lawrence Welk hatte russlanddeutsche Eltern. Während des Kalten Krieges hat er diesen Aspekt seines Lebens immer verschwiegen. Und auch ich muss sagen: Erst seit der politischen Entspannung zwischen Russland und den USA in den frühen 1970er Jahren fühlte ich mich wohl zu sagen: Ich bin Russlanddeutscher.

AW: Die Vereinigten Staaten sind ein Land von Einwanderern mit unzähligen verschiedenen ethnischen Gruppen, die unterschiedlich gut organisiert und gesellschaft repräsentiert sind. Wo stehen die Russlanddeutschen?

Miller: Die Russlanddeutschen sind recht gut organisiert. Ich glaube, es gibt keine anderer ethnischen Gruppen in den Vereinigten Staaten auf unserem Niveau der Forschung. Das hat natürlich viel damit zu tun, dass uns die North Dakota State University Bibliotek in Fargo unterstützt. Außerdem haben wir als eine der ersten Volksgruppen die moderne Technik eingesetzt. Schon 1992 startete unsere erste elektronische Diskussionsgruppe im Internet; heute gibt es weltweit fünf solcher Gruppen mit insgesamt 5000 Teilnehmern.

AW: Sprechen die Russlanddeutschen noch die deutsche Sprache?

Miller: Nur sehr begrenzt. Und das wird immer, immer weniger. Wenn ich in Nord Dakota bin, höre ich nur noch ganz selten Deutsch.

AW: Glauben Sie, dass die deutsche Sprache unter den Russlanddeutschen aussterben wird? Und wenn ja, was könnte man dagegen tun?

Miller: Ich glaube, dass sie sehr schnell aussterben wird. Und ich glaube auch nicht, dass irgendeine Notwendigkeit besteht, die deutsche Sprache zu erhalten. Wir sind Amerikaner.

AW: Aber welches Interesse haben die Rußlanddeutschen dann heute noch an ihren Erbe?

Hochzeit in der neuen Heimat.

Miller: Die wichtigste Angelegenheit ist für die meisten die Genealogie. Sie glauben gar nicht, wie viele Anfragen zu diesem Thema die russlanddeutsche kulturelle Sammlung und die beiden anderen großen Organisationen erreichen. Und dann wächst und wächst das Interesse an russlanddeutschem Essen und Kochrezepten. Hier in Nord Dakota entstehen immer mehr Restaurants, die sich darauf spezialisieren. Außerdem gibt es unzählige russlanddeutsche Kochbücher.

AW: Interessieren sich die Russlanddeutschen für die aktuelle Situation in Russland und Deutschland?

Miller: Nur die Akademiker, wenn ich ehrlich bin. Ob Sie es glauben oder nicht: Die 80er Jahre waren für viele von uns wie ein Erwachen. Bis zu der Zeit von Gorbatschows Glasnost-Politik und dem späteren Zusammenbruch der Sowjetunion wussten viele noch nicht einmal, dass es in Sibirien noch so viele Russlanddeutsche gab.

AW: Ein Blick in die Zukunft der Russlanddeutschen in Amerika: Wohin wird die Entwicklung gehen?

Miller: Ich glaube, wir haben eine großartige Zukunft vor uns. Wir haben Zugang zu vielen privaten Geldgebern, so dass wir uns aufwändige Forschungen und tolle Internetseiten leisten können. Und die Resonanz ist riesig: Zwischen Januar 1999 und April [2001] hatte unsere Webseite etwa drei Millionen Besucher. Als ich 1967 mit der russlanddeutschen kulturellen Sammlung begonnen habe, habe ich so etwas nicht in meinen kühnsten Träumen erwartet.

Mehr zu diesem Thema bieten die folgenden Seiten im Internet:

library.ndsu.edu/grhc (Englisch und Deutsch)
www.prairiepublic.org (Dokumentationsfilme)
www.ahsgr.org (für die Wolgadeutschen)
www.grhs.com (für Bessarabiendeutsche und Schwarzmeerdeutsche)
www.russlanddeutschegeschichte.de (neues Projekt der deutschen Bundesregierung).

Permission to use any images from the GRHC website may be requested by contacting Michael M. Miller
North Dakota State University Libraries
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Director: Michael M. Miller
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