[breadcrumb]

Besuch aus North Dakota

By Elfriede Harsch Moderau

Volk auf dem Weg, Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland, Stuttgart, Germany, July, 1999, page 22-23.

English

Begrüßungsständchen für die amerikanischen Gäste durch Waldemar Hergert (links) und Stefan Klötzel; dahinter ein Teil des Chores.
Am 30. Mai durfte der Stuttgarter Chor "Heimatklänge" seltene Gäste empfangen: Prof. Michael Miller, Bibliograph an der North Dakota State University in Fargo, USA, kam mit einer Reisegruppe von 20 Amerikanern nach Stuttgart. Sie waren auf dem Rückweg von einer Rundreise durch die Ukraine und Bessarabien, wo sie ehemalige deutsche Siedlungsgebiete besucht hatten.

Auf ihrer Reise waren sie tief beeindruckt von der großen Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Bevölkerung. Die Armut aber, die in den letzten Jahren besonders in der Ukraine noch schlimmer gewroden ist, hat sie sehr betroffen gemacht. Für die Rückreise waren einige Tage Aufenthalt in Stuttgart eingeplant. Außer einer Stadtbesichtigung gehörten Ausflüge ins Elsaß und nach Ludwigsburg mit Stadtbesichtgung zum Programm. Viele Reiseteilnehmer waren das erste Mal in Deutschland; sie waren begeistert von unserem schönen Land.

Unser Chor hatte die Amerikaner zum Nachmittagskaffee mit selbstgebackenem Kuchen ins Haus der Heimat eingeladen. Natürlich wurden unsere Gäste musikalisch begrüßt, beginnend mit dem besinnlichen Lied "Ave Maria, die kleine Bergkirche", und dann mit Volksliedern, die unsere Chorleiterin Marina Bauer in letzter Zeit mit uns neu einstudiert hat. Dazwischen spielten Waldemar Hergert (Akkordeon) und Stefan Klötzel (Balalaika) russische und deutsche Melodien. Marina Bauer begrüßte die Gäste und ihren Reiseleiter Prof. Miller sowie die Vorsitzende der Ortsgruppe Stuttgart, Ludmilla Holzwarth.

Um sich gegenseitig kennenzulernen, stellten sich alle Chormitglieder vor und erzählten von ihren Lebensschicksalen: Verschleppung aus den deutschen Siedlungsgebieten nach Sibirien und Kasachstan, Zwangsarbeit, Trennung von Familienangehörigen, verbot der deutschen Sprache. Viele überlebten diese schwere Zeit nicht. Unsere Chormitglieder sind fast alle Spätaussiedler; viele sind erst seit wenigen Jahren in Deutschland.

Auch unsere Besucher stellten sich vor: Die meisten hatten deutsche Namen. Ihre Vorfahren sind aus Rußland - hauptsächlich aus dem Gebiet Odessa - nach Amerika ausgewandert, wo sie sich zum großen Teil in Nord- und Süddakota als Farmer ansiedelten und die Prärie bebauten. Viele Nachkommen dieser Farmer, darunter auch unsere Gäste, haben andere Berufe erlernt und studiert. Sie haben ihre Farmen verkauft oder verpachtet und sind in andere Gegenden der USA gezogen.

Schnell fanden wir guten Kontakt zu unseren Gästen, wenn es auch einige Sprachprobleme gab. Wieder einmal durften wir in schönster Weise erleben, wie die Musik über alle Grenzen und Sprachbarrieren hinweg die Menschen in Freundschaft miteinander verbindet. Es war ein heißer, schwüler Sommertag, und ein plötzlich hereinbrechendes Gewitter mit heftigem Blitz und Donner brachte eine willkommene Abkühlung. Einer der Besucher sagte, das Gewitter erinnere ihn an seine Heimat Norddakota, wo es häufig solche Unwetter gebe.

In uns wurden bei diesen Gesprächen viele schöne Erinnerungen an unsere Konzertreise nach Norddakota vor zwei Jahren wach.

Nachdem sich alle mit Kaffee und Kuchen gestärkt hatten, überraschte und erfreute uns der jüngste Teilnehmer der Reisegruppe, Dr. Kurt-Alexander Zeller, ein Sänger, mit zwei Liedern von Franz Schubert, auf dem Flügel begleitet von einer Dame aus der Gruppe.

Der Nachmittag verging wie im Flug, und bald nahte der Abschied. Selbstverständlich konnten wir nicht voneinander Abschied nehmen, ehe wir noch einige Lieder gesungen hatten. Dabei stellte sich der junge amerikanische Sänger spontan in die Reihe unserer Tenöre und sang kräftig mit. Bei dem Lied "Wo Freunde auseinandergehen", dessen letzten Vers wir in englischer Sprache sangen, stimmten unsere Gäste begeistert mit ein. Auch das bei allen Rußlanddeutschen und Amerikanern vielgeliebte Lied "Du liegst mir im Herzen" sangen die Gäste aus den USA fleißig mit und schunkelten fröhlich dazu.

Prof. Miller sprach im Namen der Reisegruppe herzliche Abschiedsworte. Er überreichte uns als Erinnerungsgeschenk für die Landsmannschaft das "Homeland Book of the Bessarabian Germans" von Albert Kern und die Videokassette "The Germans from Russia. Children of the Steppe and Children of the Prairie." Er betonte, wie wichtig es ist, daß die amerikanischen Rußlanddeutschen erfahren, welch schweres Schicksal ihre in Rußland verbliebenen Verwandten und Landsleute erdulden mußten. Danach bat er den unter den Gästen weilenden Pastor Dr. Lee Keck um ein Schlußgebet. Dr. Keck dankte Gott für die gnädige Fürsprache auf dieser weiten Reise. Er schloß in seine Fürbitte besonders alle Rußlanddeutschen ein und betete für den Frieden in der Welt.

Reprinted with permission of Volk auf dem Weg.

Permission to use any images from the GRHC website may be requested by contacting Michael M. Miller
North Dakota State University Libraries
Germans from Russia Heritage Collection
Libraries
NDSU Dept #2080
PO Box 6050
Fargo, ND 58108-6050
Tel: 701-231-8416
Fax: 701-231-6128
Last Updated:
Director: Michael M. Miller
North Dakota State University Library North Dakota State University North Dakota State University GRHC Home